the bones of generations
Geschrieben von sjAlfur unter 2046
Da war noch der Dinosaurier. Als ich gestern die Links zu den Blogeinträgen vom letzten November raussuchte, habe ich gesehen, dass ich mal angekündigt habe, wie wir einen wirklich vollkommen echten und ziemlich authentischen Dinosaurier ausgegraben haben... ich hatte vergessen, den entsprechenden Blogeintrag zu schrieben.
Wieder ein paar Jahre zurück, diesmal noch einige mehr, 1990 oder so... wir wohnten in einem kleinen Kaff in Südhessen, das eigentlich kein Mensch braucht... naja. Fast. Das Kaff hatte sogar ein Neubaugebiet, an dessen Rand unser Haus stand. Auf dem weg in die "Innenstadt" (MUAHAHAHAHA!) mussten wir über ein großes, steiles Feld, das solange ich mich erinnern kann eigentlich immer nur Stoppelfeld oder Wiese war... (es wurde später bebaut, deshalb wohl nicht mehr bepflanzt).
Hinter der Wiese ging seitlich hinter einigen Gärten ein Weg zur Hauptstraße runter, eztwas abseits davon war aber ein steiler, hoher mit Bäumen bewachsener Hang, der hinunter zu einer Obstwiese führte.
Als Kinder waren wir oft dort, denn Baumhäuser lassen sich leicht in Bäumen bauen, deren Kronen man hangaufwärts fast ebenerdig erreichen kann. Und da Kinder einen nicht nachzuvollziehenden Hang* zum in der Erde herumbuddeln haben, stießen wir dort irgendwann auf Knochen. GROßE Knochen. Von einem Dinosaurier!
Nee, echt jetzt. Jedenfalls waren die Oberschenkelknochen eindeutig zu groß für einen Menschen, das haben wir selbst als Kinder gewusst. So eine Entdeckung macht man als Kind natürlich nicht alle Tage, also gingen wir nach dem Mittagessen und die darauf folgenden Tage mit großen Eimern wieder zum Hang und paläontologierten im Hang rum.
Machen wir nun wieder einen kleinen Zeitsprung. Meine Mutter - bekannt als Auffinderin vertrockneter Marienkäfer und geschmelztiegelter Kerzen - machte eine weitere Entdeckung, an die sie sich vermutlich noch heute erinnern kann (wozu hat man sonst auch Kinder...?).
Sie war im Keller. Der "Keller" war nur von der Hausrückseite ein Keller, er lag ein halbes Stockwerk unter dem Erdgeschoss und ein ganzes (also direkt drunter) unter dem ersten Stockwerk. Zur Straßenseite hin war er ebenerdig. Ich hatte dort mein Zimmer. Und direkt daneben war ein Zimmer mit einer Tür nach draußen zur unteren Terasse.
Irgendwie - so sagte sie später - roch es aus diesem Zimmer nicht unbedingt sehr angenehm. Eigentlich stank es sogar fürchterlich. Mein Bruder und ich waren in der Schule, und so erlebten wir leider|glücklicherweise nicht mit, wie sie unser halb von Erde befreites Dinosaurierskelett in den orangenen Plastikeimern fand, die wir in ebendiesem raum untergestellt hatten, bis wir Geld für Museumsräume zusammenhatten.
Wir haben unsere Dinosaurierknochen nicht wieder gesehen, und die Erklärung, das wäre sowieso nur ein verendetes Rind gewesen, konnte uns nicht wirklich überzeugen...
Aber - und hier kann man gerne ein moralisches Schlusswort setzen - Kindheitsträume bleiben auch erhalten, wenn man nur genügend Auswege hat, das naheliegende nicht als Wahrheit sondern als Ausrede nicht-paläontologischer Eltern zu sehen...
sjÁlfur
Trackback URL:
https://sjalfur.twoday-test.net/stories/3782396/modTrackback